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16.09.2021: EU-Parlament lehnt Antibiotikaverbot für Tiere ab

In den vergangenen Wochen stand zu befürchten, dass künftig zur Behandlung von Infektionen bei Tieren nur wenige alte und nur gegen ein geringes Erregerspektrum wirksame Antibiotika eingesetzt werden dürfen. Der Grund war ein vom Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (ENVI) vorgelegter Antrag, bestimmte Wirkstoffklassen künftig ausschließlich der Behandlung des Menschen vorzubehalten. Dagegen ist die Tierärzteschaft, allen voran der Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt), sowie die Tierhalter in nahezu allen europäischen Ländern Sturm gelauf. Das scheint gewirkt zu haben, da der eingebrachte Antrag mit 450 zu 204 Stimmen bei 32 Enthaltungen abgelehnt worden ist. So kann nun der wissenschaftlich fundierte und mit allen großen europäischen Gesundheitsorganisationen abgestimmte Delegierte Rechtsaktin Kraft umgesetzt werden. Sehr zur Erleichterung der Tierärzteschaft und auch im Sinne von Tiergesundheit und Tierschutz stimmten die Mitglieder des Europäischen Parlamentes für den Entwurf der delegierten Verordnung der Kommission (DEA 2021/2718) über "Kriterien zur Identifizierung von antimikrobiellen Arzneimitteln, die für die Behandlung von Menschen vorbehalten sind".
Damit wird auch dem One-Health-Ansatz, zumindest von Seiten der Veterinärmedizin, Rechnung getragen, während sich die Humanmedizin weder im Vorfeld der Auseinandersetzung noch währenddessen gesprächs- und handlungsbereit zeigten. Stattdessen wurde der Vorwurf von gestreuten Fake-News laut, der heute in einer Pressemitteilung des bpt zu der Entscheidung noch einmal vehement zurückgewiesen wurde. Stattdessen stellte der Bundesverband als auch die Bundestierärztekammer heute in einer Presseerklärung klar, dass die Tierärzteschaft in den vergangenen Jahren sehr viel dafür getan habe, den Antibiotikaeinsatz zu reduzieren und transparent zu machen. In der Humanmedizin ist hier allerdings noch viel Luft nach oben, auch die Zusammenarbeit beim One-Health-Ansatz kann noch optimiert werden. Das Projekt VetMAB hat verschiedene E-Learnings zur Antibiotikaminimierung im Stall produziert, die sich an TierärztInnen richten. In Kürze werden dort auch verschiedene E-Learning-Module für LandwirtInnen angeboten. Das Tierarzneimittelgesetz wird nun dem Bundespräsidenten zur Unterzeichnung zugeleitet und dann mit dem eigentlichen Tierarzneimittelgesetz unter Artikel 1 am 28. Januar 2022 in Kraft treten.

Diskussion über die Antibiotikaeinstufung

Wie denken Sie über die von einigen EU-Parlamentsabgeordneten angestoßene Diskussion über die Neueinstufung antimikrobieller Wirkstoffe?

Mehr Informationen zu dieser Problematik finden Sie HIER >>>

Halte ich wegen eines drohenden Therapienotstandes für sehr problematisch und für Tierschutz relevant.
Wahnsinn, dass die Empfehlungen der gestandenen wissenschaftlichen Einrichtungen von Laien angezweifelt werden.
Ich befürworte die neu vorgeschlagene Liste als reine Humanantibiotika, nus so kann Missbrauch in der Tierhaltung vermeiden werden.
Es ist der einzige Weg, den zunehmenden Resistenzen entgegenzuwirken.
Mir ist das egal