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Geschichten aus der Praxis

Ein Tag im Leben eines Landtierarztes

Wie verläuft der Tag einer frisch gebackenen Tierärzten als Assistentin eines Landtierarztes. Über die täglichen Anforderungen, Herausforderungen, Aufgaben und Zweifel im tierärztlichen Berufslebens.

Die Morgentour beginnt bei uns so gegen 8.30 Uhr. Eine vertretbare Zeit. Meine Aufgabe sind im Allgemeinen die Rinder und die Kleintiere.

Die Aufgabe für den Vormittag lautete: Bestand bluten. In etwa 100 Tiere. Sollte wohl recht schnell gehen, dachte ich mir. Um 10.00 Uhr losgelegt, wird das Ganze bis Mittag über die Bühne sein. Nur noch schnell einen Bauern vorweg. Ein Kalb das nicht säuft. Also los ging es. Zwischendurch nächster Anruf. Eine Kuh mit Verdacht auf Zyste. Also schnell noch in die andere Richtung. Verdacht bestätigt. Wenn Sie gerade schon mal da sind, die Betty rindert nicht, so der Bauer. Können Sie schnell noch mal gucken? Ach ja und die Kuh mit dem Panaritium ist schon viel besser, könnten Sie aber noch mal nachsehen, vielleicht kann sie noch eine Spritze bekommen?

Nachdem ich auch noch das Kalb mit Durchfall behandelt habe, kam ich dann doch weg und natürlich zu spät zum Bluten. Aber macht ja nix, 100 Tiere gehen ja schnell. Allerdings waren 30 Färsen in Gruppenhaltung dabei. Und wir waren nur zu zweit.

Ungünstige Arbeitsbedingungen! Na gut, einfach eine nach der anderen. Gesagt getan. Endlich fertig und ohne größere Verluste (aber mit ein paar blauen Flecken), gerade noch Zeit ein Brötchen zu essen und ab zur Kleintiersprechstunde.

Das Mittagessen beim Bauern konnte ich leider nicht annehmen, keine Zeit! Also Kleintiere. Katze mit Schnupfen, Katze zum impfen, Hund zum Entwurmen und Hund mit vermeintlichem Krebs am Ohr? Krebs? Wohl eher eine Talgzyste. Frauchen war beruhigt. Noch ein paar Hasen geimpft und dann zur Nachmittag/Abendtour der Rinder.

Kuh schäumt aus dem Maul, wirft sich hin, steht wieder auf, hängt sich in die Kette, will sterben. Naja, will nicht wirklich sterben und nach Behandlung der Ketose hat sie ihre Krise überwunden. Festlieger am Abend. Ein Fall wie er im Buche steht. Steht nach Behandlung auf und läuft zum Futtertisch. Schön! Nächster Fall: Kalb steht vorne nicht. Nach eingehender Untersuchung stelle ich fest: wo das Problem liegt, weiß ich auch nicht! Aber eine Behandlung muss schon sein. Und siehe da, sie schlägt an. Zwei Tage später fahre ich wieder vorbei und es ist deutlich besser! Alles richtig gemacht?????

Weitere Behandlungen an diesem Abend: Mastitis und Kälber. Später am Abend: Geburt. Bauer erwartet mich mit einer Färse. Man sieht eigentlich nix, presst auch nicht. Reingefasst. Sehr eng, aber muss gehen, Kalb ist schon tot. Geburtshelfer her, ordentlich eingeschleimt und dann mit etwas Geduld und einer Beule am Kopf (gewisse Leitungen sind manchmal sehr niedrig!), Kalb raus. Färse ok! Nach einem schnellen Blick auf ein Kalb mit Sehnenverkürzung und dem Rat zum Laufen lassen auf hartem Boden, geht es nach Hause.

Kurze Zeit später wieder eine Geburt. Schwierigerer Fall. Kalb lebt, aber Kopf verdreht. Bekommt man nicht richtig zu packen. Nach einigem hin und her, Chef anrufen.
Berichterstattung. Wieso kommt der Kopf nicht vor, ist es zu eng? Versuch''''s weiter, ich komme, sagt er. Die Frage lässt mich aufhorchen. Wieder in der Kuh, drehe ich diesmal am gesamten Kalb und ... es bewegt sich. Jetzt liegt es richtig. Schnürle dran und raus. Jetzt eine ordentliche Portion kaltes Wasser. Mein Chef kommt, sieht mich schweißüberströmt, freut sich und strahlt übers ganze Gesicht: So muss ''''ne Frau aussehen, die Geburtshilfe leistet, sagt er und fährt gut gelaunt zurück. Um Mitternacht ab ins Bett.

Morgens um 5.30 Uhr Telefon: Geburt. Wieder los. Eher einfache Geburt. Kalb liegt richtig und mit ein bisschen Zughilfe sind alle wohlauf. Schnell nach Hause, nochmals ins Bett gelegt und einen warmen Tee getrunken. Mal sehen was der Tag sonst noch so bringt ...

Läuft nicht immer alles so glatt, wie hier beschrieben. Es gibt auch andere Tage. Eben so’ne und solche. Gerade am Anfang steht man häufig vor scheinbar mysteriösen Fällen.

Tatsache ist, wenn man sich für den Beruf des Landtierarztes entscheidet, muss einem klar sein, dass es nicht immer eine Mittagspause gibt und der Abend so manches Mal ein offenes Ende hat. Die Regelung der Freizeit sollte natürlich immer mit dem Chef geklärt werden. Aber an den arbeitsreichen Tagen zeigt sich, ob man mehr Spaß an seinem Beruf als an seinen freien Abenden hat. Ersteres sollte der Fall sein! Und noch was: Die Fahrpraxis ist nun mal mit viel Fahren verbunden. Wer sich nicht vorstellen kann, einen großen Teil der Arbeitszeit im Auto zu verbringen, der ist ebenfalls in dieser Sparte des Berufes falsch.

Und ein letzter Tip: Fangt so früh wie möglich an, Euch einen Tierarzt zu suchen, bei dem Ihr mithelfen könnt, so oft wie möglich. Das mag wichtiger sein, als so manche Vorlesung!!!!

Autor: Dr. Gudrun Köster

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