www.tierhalter-wissen.de

www.vets4vieh.de wird unterstützt von:

Geschichten aus der Praxis

Gedanken aus der Großtierpraxis

Ganz nüchtern betrachtet hat jeder Beruf Schattenseiten und tolle Momente - doch in keiner anderen Tätigkeit wirst Du zwischen den schwierigen Zeiten mit so intensiven Glücksmomenten belohnt und neu motiviert wie in der Großtierpraxis. Du kommst in den Stall, siehst eine wirklich traurige Kuh mit ganz tief eingefallenen Augen in tiefen Höhlen, aus denen die langen, tränennassen Wimpern (o.k., jetzt übertreibe ich ein wenig und gleite in die Welt der Rosamunde Pilcher ab) hervorlugen. Vor ihr ein Riesenberg wirklich tolles Futter (TMR vom feinsten Gourmetfuttermischwagen), den sie ob ihrer schrecklichen Bauchschmerzen nicht anrührt. Der Ketostick ist dreifach positiv, der Labmagen klingelt fröhlich unter dem Stethoskop. Der Landwirt sagt, die hat in der letzten Laktation 10.500 Liter Milch gegeben. Und nun kommt eine wirklich flinke OP, dazu eine i.v.Infusion von ca. 5 Liter Elektrolytlösung. Tja, und am nächsten Tag schaut Dich eine aus vollen Backen behaglich kauende Kuh nach einem langen, genüßlichen Wimpernaufschlag mit ihren großen, vollen Augen dankbar an.

Das passiert dann in diesem Betrieb so ein bis zwei mal in der Woche, bis man sich fragt: Geht das nicht auch anders ?. Also fängst Du an Blutproben und Harnproben zu nehmen, wertest die Befunde mit dem Fütterungsberater und dem Landwirt aus, änderst einiges und plötzlich gibt es keine Labmagenverlagerungen mehr, auch kaum noch festliegende Kühe nach dem Kalben. Und das tut dann richtig gut. Die Kühe sind gesund, die Milch fließt, der Landwirt ist zufrieden und Du mußt nur noch ein mal in der Woche mit dem Ultraschallgerät auf den Betrieb, um Trächtigkeitsuntersuchungen, Puerperalkontrollen und Sterilitätsuntersuchungen zu machen. Das läuft dann so weiter, bis zum nächsten Fütterungswechsel (ein neues Grassilo wurde angefangen und alles beginnt von vorn). Na ja, und den Rest der Geschichte kennt Ihr ja (siehe oben). Irgendwer erklärt Dir dann auf einer Fortbildung, daß Du ja ITB Rind betreibst. Ach so sagst Du, das wußte ich noch gar nicht. Naja, egal wie das heißt, es macht einen Riesenmenge Spaß und ist genau das, was ich schon immer machen wollte.

Autor: Andre Pfützner

zurück

Eigene Geschichte eintragen???

Möchten Sie uns auch Ihre Geschichte aus der Praxis mitteilen?

Dann können Sie dies
hier eintragen >>>